Archiv für den Monat November 2013

Setzen, bitte.

Kleiner Putz-Rant.

Mein Pflegesohn hatte gestern einen Freund zu Besuch und als Folge davon musste ich heute wegen der Geruchsbelästigung das Klo putzen. Das an sich ist schon schlechte Laune wert, aber noch schlechtere Laune macht mir die Logik, die dahinter steckt.

Deshalb: Liebe Leute mit Verantwortung für Jungs: Bringt denen das Sitzpinkeln bei!
Das ist nicht uncool, sondern aktive Herrschaftskritik.

Ich hab mal in einem Putzjob in einem Team mit einem Vater von mehreren Söhnen zusammengearbeitet und der hat mir erzählt, früher habe er immer im Stehen gepinkelt. Seit er selbst putzen muss, pisst er nur noch im Sitzen und bringt das auch seinen Kindern bei.

Hier nämlich ein Geheimnis für alle, die es noch nicht wussten: Stehpinkeln ist eine Zumutung für die, die putzen.

Und wer putzt denn bitte? Welche Geschlechter und Gender haben denn die, die putzen? Welche Hautfarben? Welche Aus_Bildung? Wie viel Geld steht hinter ihnen und ihren Familien oder was ist ihr Bürger_innenstatus? Hach, surprise.

Und ich frag mich, wie viele von den rumspritzenden Anzugträgern und rumspritzenden zukünftigen Anzugträgern jemals umwölkt von feinem Essigduft ihre schwielenlosen Hände in der Kloschüssel versenkt haben.

Und das ist immer noch zu einfach: Neulich hab ich in einem anarchistischen Hausprojekt mit zwei Frauen gesprochen, die regelmäßig den Großteil des Saubermachens übernehmen, weil Putz-Pläne zu nichts geführt haben und es ihnen „einfach irgendwann zu dreckig“ wurde.

Wenn Leute Jungs nicht beibringen, dass sie Verantwortung für ihren Schmutz übernehmen müssen, bringen sie ihnen unausgesprochen bei, dass da schon andere sein werden, die hinter ihnen sauber machen. Sounds familiar.

Im Sitzen pinkeln ist nicht unmännlich, sondern politisch.

Danke, weiter putzen.