Setzen, bitte.

Kleiner Putz-Rant.

Mein Pflegesohn hatte gestern einen Freund zu Besuch und als Folge davon musste ich heute wegen der Geruchsbelästigung das Klo putzen. Das an sich ist schon schlechte Laune wert, aber noch schlechtere Laune macht mir die Logik, die dahinter steckt.

Deshalb: Liebe Leute mit Verantwortung für Jungs: Bringt denen das Sitzpinkeln bei!
Das ist nicht uncool, sondern aktive Herrschaftskritik.

Ich hab mal in einem Putzjob in einem Team mit einem Vater von mehreren Söhnen zusammengearbeitet und der hat mir erzählt, früher habe er immer im Stehen gepinkelt. Seit er selbst putzen muss, pisst er nur noch im Sitzen und bringt das auch seinen Kindern bei.

Hier nämlich ein Geheimnis für alle, die es noch nicht wussten: Stehpinkeln ist eine Zumutung für die, die putzen.

Und wer putzt denn bitte? Welche Geschlechter und Gender haben denn die, die putzen? Welche Hautfarben? Welche Aus_Bildung? Wie viel Geld steht hinter ihnen und ihren Familien oder was ist ihr Bürger_innenstatus? Hach, surprise.

Und ich frag mich, wie viele von den rumspritzenden Anzugträgern und rumspritzenden zukünftigen Anzugträgern jemals umwölkt von feinem Essigduft ihre schwielenlosen Hände in der Kloschüssel versenkt haben.

Und das ist immer noch zu einfach: Neulich hab ich in einem anarchistischen Hausprojekt mit zwei Frauen gesprochen, die regelmäßig den Großteil des Saubermachens übernehmen, weil Putz-Pläne zu nichts geführt haben und es ihnen „einfach irgendwann zu dreckig“ wurde.

Wenn Leute Jungs nicht beibringen, dass sie Verantwortung für ihren Schmutz übernehmen müssen, bringen sie ihnen unausgesprochen bei, dass da schon andere sein werden, die hinter ihnen sauber machen. Sounds familiar.

Im Sitzen pinkeln ist nicht unmännlich, sondern politisch.

Danke, weiter putzen.

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11 Gedanken zu „Setzen, bitte.

  1. rutzel

    Hat dies auf wortwurm rebloggt und kommentierte:
    eine Mutter mit ebenfalls einigen söhnen ließ im bad von ihrem mann ein pissoir (Urinal) einbauen, er war zum glück klempner..auch eine lösung des problems. jetzt haben sie eine normale toilette und ein u8rinal für die männlichen menschen in der familie

    Antwort
    1. laufmoos Autor

      Ich nehme an, dass die männlichen Menschen in der Familie für die Säuberung des Pissoirs zuständig sind. Das ist natürlich löblich. ;)
      Ehrlich 1: Meiner Erfahrung nach sind Pissoirs genauso widerlich, wenn man sie putzen muss, wie andere Toiletten.
      Ehrlich 2: Wenn jemand so sehr nicht im Sitzen pinkeln kann, dass dafür das Bad umgebaut werden muss, tut die Person mir sehr leid. (Medizinische Gründe ausgenommen, aber Männlichkeit ist kein medizinischer Grund.)

      Antwort
    2. lethe

      Meine mutter rief mich einfach, war sie mit meiner Sauberkeit unzufrieden-sie rief vatern ebenso, manchmal riefen wir sie-rufen heisst“____, warst du als letztes auf Klo?“ bei ja->“ komm mit-> schau klo an-äußere adäquate entschuldigung-> reinige das klo->
      Hab also stets gelernt hinter mir wegzuräumen.

      Vll den sohnemann das klo putzen lassen? Das hätte ich getan, so hatt er gleich ne Motivation seinem Kumpel zu verklicktern sich entweder zu setzen oder danach zu wischen.
      Notfalls auch mal vor seinen Kumpels Hinweisen dass im sitzen gepisst wird weil XXX das letzte mal Probleme mit dem Treffen hatte.
      Man glaubt garnicht wie scham-vermeidend Jugendliche sind-in dem fall hätte das vielleicht nen lerneffekt.

      Ich hatte aspie-typisch wenig Freunde aber mutter hat ihre Unlust zu putzen an ihre tochter (me) abgegeben-daher vermeiden ich unnötigen matsch wo es geht(well bei meiner ungeschicklichkeit nich immer einfach)

      Antwort
  2. Pingback: Linkspam | enjoying the postapocalypse

  3. Natanji

    Danke! Mehr generell zum Putzen ist für mich ein oft gehörtes Argument: „Ich störe mich an dem Dreck oder der Unordnung nicht. Wenn du es sauberer haben willst, dann hast du doch keinen Anspruch mir gegenüber, dass ich für deinen Standard den Putzsklaven mache!“

    Ich finde das schwer zu entkräften. Wenn jemand besondere Wünsche wie Rosenduft und täglich blitzblanke Fenster hat, dann will ich das auch nicht befolgen müssen. Hast du ne Idee? Problem ist nämlich auch, dass Frauen ein anderes Sauberkeitsempfinden anerzogen wird.

    Antwort
    1. laufmoos Autor

      Ich würde mit solchen Leuten nicht zusammen wohnen. :D Sollen sie sich doch alleine in ihrem Dreck amüsieren.
      Ich nehme an, dass bestimmte Leute sich an Dreck so lange nicht stören, wie sie davon ausgehen können, dass da schon irgendwann jemand putzen wird.

      Antwort
  4. TK

    Das Urinal ist für mich eine peinsame Notlösung, wenn in einer öffentlich/halböffentlichen Situation alle normalen Toiletten besetzt sind und es wirklich schnell gehen muss. Mich nicht setzen zu können, finde ich einfach unhygienisch (mal von 2 Sachen abgesehen: dass es ein ebenso unhygienisches Erlebnis sein kann, wenn eins sich setzt; aber das liegt dann wieder in der Verantwortung derer, die sich nicht setzen; und dass es sich im Sitzen viel entspannter pisst). Das gilt übrigens auch für die „Baum-Lösung“ beim Wandern. Und mir hat niemand was anerzogen. Ich hab ganz von allein irgendwann angefangen, mich hinzusetzen, wann immer es ging. Also erzähl mir keins irgendeinen Bullshit von „angeboren“ und so.

    Antwort
    1. laufmoos Autor

      Jau zur Verantwortung aller auf öffentlichen Toiletten.
      Aber hint: Ich setze mich auch nicht auf öffentliche Toiletten, sondern benutze meine Beinmuskeln. ;)
      Und leider ist es offensichtlich noch nicht so weit verbreitet, auf öffentlichen Toiletten Desinfektionsmittel und Sitzauflagen bereitzustellen, das ist ja auch eine Alternative.

      Antwort
      1. lethe

        Naja, richtig gefährlich ist das auch nicht-nur eklig. Idr verschlimmert so hockestellung das nur. Solange du dir die hände wäscht sind die brillen unproblematisch, Bakterien können nicht laufen.;)
        Die türklinke allerdings… Mensch glaubt nich wie wenig sich leute die hände waschen nachm arsch-abwischen..

  5. Pingback: Mädchenmannschaft » Blog Archive » Trübe Toiletten, traurige Väter, tolle Leggings – die Blogschau

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